Meine Pferde


Handria


Handria ist 2010 zu mir gekommen.
Sie war mein großer Lehrer.

Sie hat mich immer wieder bewogen vieles zu hinterfragen, wie z.B. das noch oft betriebene Haltungssystem, sowie die Ausbildung und der Umgang mit unseren Pferden. 

 

Ohne Handria würde ich nicht dort stehen, wo ich heute stehe.
Ohne sie wäre ich diesen Weg vermutlich nicht gegangen.


 

 

Handria war 6 Jahre alt als sie zu mir kam und wie sich leider herausgestellt hat, hat sie bis dahin schon viel erleben müssen. Ihre alten "Narben" waren über die Jahre immer wieder einmal zu spüren... sowohl ihren psychischen, als auch die körperlichen. 


Bis sie zu mir kam war sie bereits bei mindestens 4 Bereitern. Sie galt als schwierig im Umgang. Vermutlich wurde sie mit sehr harter Hand, als auch Rollkur ausgebildet. Entzündungen im Nackenband waren u.a. eine Folge daraus. 

Bereits in diesem frühen Alter war bei ihr eine deutliche Trageschwäche zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, was dies bedeutet und welche Folgen dies für sie hat. Erst als ich 2016 Karin Kattwinkel kennen lernte, wurde mir klar, wie viele Pferde heute unter den Folgen einer Trageschwäche zu leiden haben.

Handria hatte Magenprobleme, verursacht durch eine lange ignorierte Zahnproblematik, als auch dem Stress während ihrer Ausbildung. Lange litt sie unter Kotwasser, war extrem empfindlich, reagierte schnell über, war aufgebläht etc.

Nachdem sie zu mir kam war schnell klar, dass sie Probleme mit den Zähnen hat. Ein schmerzhafter & völlig kaputter Backenzahn wurde daraufhin heraus operiert. Wie sich leider später herausgestellt hat, musste sie mindestens 2 Jahre mit diesem Problem leben. Man stelle sich diese Schmerzen vor.

Dies alles hat zu schweren Traumata bei Handria geführt.

 

Kurz nach der Zahn-OP hatte sie eine schwere Impfreaktion und war kaum in der Lage zu laufen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich das AmpliVet kennen und schätzen gelernt.
Weitere Diagnosen wie osteolytischer Spat, ein Fesselträgerschaden sowie immer wiederkehrende Knieprobleme folgten.

Heilpraktiker, Osteopathie, Physiotherapie, nichts schien so richtig langfristig zu helfen. Eine wahre Odyssee lag hinter uns. 

Also machte ich mich 2010 auf dem Weg mich selber fortzubilden. 

Mit Natural Horsemanship machte ich den Anfang, da Handria anfangs stieg, Menschen umrannte, sie immer wieder kopflos wurde etc.

Kurse bei Detlef Timmermann und Andrea Kutsch folgten. Mittlerweile arbeite ich nicht mehr nach den Prinzipien des Natural Horsemanship, sondern habe eine Kommunikation mit den Pferden erarbeitet, die nicht aus Dominanz und Unterwerfung besteht.


Danach folgte ein Studium bei der IST zum Thema Pferdefütterung. Schnell wurde mir klar, hier findet man eine Ursache von vielen gesundheitlichen Problemen, die unsere Pferde heute haben. 


Durch meine intensiven Fortbildungen im Therapie-Bereich, sowie Reha-Training wurde mir klar, dass Handrias gesundheitliche Probleme nicht durch eine einzige Behandlung "weggezaubert" werden können. 
Nur durch regelmäßige Krankengymnastik, einen angepassten Therapie-Plan, eine optimierte Hufbearbeitung, behutsame Traumaarbeit sowie ein pferdegerechtes und individuell angepasstes Training konnte sie einige Jahre ein fast normales Pferde-Leben führen.

 

Loslassen von Dogmen und Mythen war eines der wichtigsten Dinge in ihrer Genesung. Ich habe gelernt, dass es für mich nichts schöneres gibt, als einfach mit meinem Pferd zusammen zu sein. Zeit zu verbringen und dankbar für jeden Moment zu sein. Wie unwichtig Reiten eigentlich ist. 

Immer wieder gab es Rückschläge. Ihre Genesung hat Jahre gedauert und viel Geduld erfordert. Dafür durfte ich mich an einem Pferd erfreuen, das viel offener, ausgeglichener war, sich viel freier bewegen konnte und sich in seiner Herde sicher und wohl gefühlt hat. 
Ein größere Freude konnte ich mir als Pferdebesitzerin nicht wünschen. 

 

Am 17.06.2022 bist du deine letzte Reise angetreten. Ruhe in Frieden meine Süße. Du wirst immer bei mir sein.

Ohne dich wäre ich nie diesen Weg gegangen.

 


Bastinado


Bastinado ist 1995 als Fohlen zu mir gekommen.

Er sollte zum Schlachter gehen, weil er damals bereits auf einem Auge erblindet war. 

Eigentlich wollte ich gar kein eigenes Pferd, da ich Angst vor der Verantwortung hatte und mir schlicht die Erfahrung mit Pferden fehlte.

Aber es kommt ja immer anders als man denkt. :-)

 


Leider ist Bastinado viel zu früh im Alter von knapp 14 Jahren 2008 an einer Kolik verstorben.

Dieses Ereignis hat viele Fragen zum Thema Pferdehaltung und Fütterung in mir wach gerufen. 

 

Noch heute denke ich sehr oft an ihn und was ich unter heutigen Gesichtspunkten alles anders machen würde.

Ich habe aus Unwissenheit viele Fehler gemacht, aber auch, weil ich mich auf Menschen verlassen habe, die jahrelange Pferdeerfahrung hatten und weil man es ja immer so gemacht hat.
Wenn ich nur die Zeit zurückdrehen könnte.

 

Bastinado war ein wundervoller Begleiter & ein absolutes Verlasspferd.
Schon sehr früh habe ich "Bodenarbeit" mit ihm gemacht.
Bin mit ihm ins Gelände spazieren gegangen, habe ihn an Sattel und Zaumzeug, sowie die Longe gewöhnt. 

 

Er wird immer einen Platz in meinem Herzen haben. 

Ihr zwei seid wundervoll gewesen

Danke, dass ich die Zeit mit euch verbringen durfte