Wie wirken sich wilde Mustangs auf Ökosysteme aus?

 

Auswirkungen durch Mustangs auf das Ökosystem im Great Basin


Gesamtbild auf Grundlage wissenschaftlicher Studien, Populationsmodelle und Kostenvergleiche

 

 

Einleitung

 

Das Great Basin ist ein endorheisches, arides bis semiarides Ökosystem von etwa 500.000 km² in den westlichen USA.

Es ist stark durch Wasserverfügbarkeit, Dürrezyklen und die Nutzung durch Wildpferde (Mustangs), Vieh und Wildtiere geprägt.

Die zentrale Frage der Managementdiskussion ist nicht nur, wie viele Mustangs vorhanden sind, sondern wie sich Wasser, Bewegung, Dürre, Populationsdynamik, Entnahmen, Geburtenkontrolle, Kosten und genetische Stabilität langfristig auf das gesamte System auswirken.

 

Die folgenden Punkte fassen das Gesamtbild faktenbasiert zusammen.

 


System Great Basin

 

Das Great Basin umfasst etwa 500.000 km² und stellt ein endorheisches System dar.
Das bedeutet, dass Wasser nicht ins Meer abfließt, sondern innerhalb des Systems verbleibt.

 

Die Wasserversorgung basiert auf:

 

* Schneedecke

* Grundwasser

* temporären Wasserstellen

* natürlichen Quellen

 

Es existieren über 10.000 bekannte Quellen, zusätzlich gelten etwa 10–30 % als unkartiert.

 

Wasser ist daher grundsätzlich vorhanden, jedoch räumlich und zeitlich stark verteilt.

 

 

 2. Dürre als Normalzustand

 

Dürre ist im Great Basin kein Ausnahmezustand, sondern ein regulärer Bestandteil des Systems.

 

Einteilung:

 

* moderate Dürre: 60–75 % des normalen Niederschlags

* starke Dürre: 50–60 %

* extreme Dürre: unter 50 %

 

Häufigkeit:

 

* moderate Dürre: etwa alle 3–5 Jahre

* starke Dürre: etwa alle 10–15 Jahre

 

Dürre gehört zum normalen ökologischen Gleichgewicht.

 


Auswirkungen von Dürre

 

Dürre reduziert vor allem die Ressourcenverfügbarkeit.

 

Wasserverfügbarkeit:

 

* von etwa 60–80 % auf 30–50 %

 

Vegetation:

 

* Rückgänge zwischen 10 und 80 % möglich

 

Wichtig ist:

 

Dürre reduziert Ressourcen, verhindert Nutzung aber nicht vollständig.

 

 

4. Wasserstellen

 

Während Dürreperioden trocknen etwa 30–50 % der Wasserstellen aus.

 

Wichtig:

 

* nicht alle Wasserstellen trocknen gleichzeitig

* Wasser bleibt weiterhin vorhanden, aber stärker verteilt

 

Daraus ergibt sich:

 

Die Errichtung zusätzlicher künstlicher Wasserquellen ist eine sinnvolle Managementmaßnahme.

 


Der verlorene Raum

 

Das Great Basin war über Jahrtausende ein Ökosystem großer wandernder Pflanzenfresser.

 

Wilde Pferde bewegten sich über enorme Distanzen durch eine offene, weitgehend unfragmentierte Landschaft.

 

Heute wird häufig nur über die Anzahl der Mustangs gesprochen.

Was dabei oft kaum erwähnt wird:
Seit dem Schutzgesetz von 1971 ging etwa die Hälfte ihres ursprünglichen Lebensraums verloren.

Ehemals rund 53 Millionen Acres Wildpferdegebiet wurden durch Viehwirtschaft, Zäune, Straßen, Energieprojekte und andere Nutzungen massiv reduziert.

 

Dadurch konzentrieren sich die Herden heute auf deutlich kleinere Flächen.

Viele Diskussionen über „Überpopulation“ betrachten deshalb nur die Tierzahlen, nicht jedoch den enormen Verlust ihres Lebensraums.

 

Das Great Basin ist ein durch Wasserverfügbarkeit, Dürrezyklen und große Wanderbewegungen geprägtes System.

Wilde Mustangs bewegen sich oft viele Kilometer pro Tag und verteilen ihre Nutzung über weite Landschaften.

 

Genau diese Dynamik war über Jahrtausende Teil des westlichen Ökosystems Nordamerikas.


Population

 

Mustangs:

 

* etwa 70.000–80.000 Tiere

 

Vieh:

 

* etwa 1,5–2 Millionen Tiere

 

Verhältnis:

 

* etwa 1 : 20–30

 

Herd Management Areas im Great Basin:

Von 177 HMAs liegen etwa 120–130 im Great Basin.

Dort befinden sich etwa 55.000–60.000 Mustangs.

Der Großteil der Population lebt also im Great Basin.


Raumnutzung der Tiere - Bewegung

 

 

Etwa 70–80 % der Aktivität von Weidetieren konzentriert sich innerhalb von 1–3 km um Wasserstellen.

 

Wasser bestimmt daher maßgeblich die Raumnutzung.

 

 

Bewegung – zentraler Unterschied zwischen Mustangs und Vieh

 

Mustangs:

 

* 20–30 km pro Tag

 

Vieh:

 

* 1,5–4 km pro Tag

* bleibt meist im Nahbereich von Wasserquellen

 

Konsequenz:

 

* Mustangs verteilen ihre Nutzung großräumig

* Vieh konzentriert Nutzung lokal

 

Dies ist einer der wichtigsten Unterschiede für ökologische Auswirkungen.

 

 

 



Ressourcenvergleich

 

Futter

 

Mustangs benötigen etwa:

 

* 7–11 kg pro Tag

Rinder:

10–16+ kg

 


Wasser

 

Mustangs:

 

* 23–43 Liter pro Tag

 

Vieh:

 

* 75–190 Liter pro Tag

 

Vieh verbraucht damit pro Tier etwa 2–5-mal mehr Wasser.

 

In Kombination mit dem Populationsverhältnis ergibt sich ein massiv höherer Gesamtwasserverbrauch durch Vieh.

 


Futter & Wasserbedarf im Vergleich - unterschiedliche Tierarten

Tierart

 

Durchschnittliches Gewicht

 

Futterbedarf pro Tag (Trockenmasse)

Wasserbedarf pro Tag

 

Bewegungsradius pro Tag

Raumwirkung
Mustang 350–450 kg 7–11 kg 23–43 L 20–30 km großräumig verteilt
Rind (Vieh) 500–700+ kg 10–16+ kg 75–190 L 1,5–4 km lokal stark konzentriert
Elk / Wapiti 250–450 kg 8–12 kg 20–40 L 5–20 km saisonal verteilt
Mule Deer 50–150 kg 2–4 kg oft geringer direkter Wasserbedarf 3–10 km verteilt
Pronghorn 40–65 kg 1,5–3 kg gering bis moderat 5–15 km verteilt
Bighorn Sheep 45–140 kg 1,5–3 kg gering bis moderat 2–8 km verteilt

Positive Effekte der Mustangs

 

 

 Neuere Forschung beschreibt Mustangs
als aktive Ökosystemgestalter

 

Wasser

 

Mustangs und Esel graben Wasserstellen.

 

Dokumentiert wurden:

 

* über 100 Wasserstellen

* Nutzung durch mehr als 30 Arten

 

Samenverbreitung

 

Durch tägliche Bewegung über 20–30 km verbreiten sie Samen großräumig.

 

Vegetation

 

Sie fördern mosaikartige Vegetationsstrukturen.

 

Nährstoffe

 

Dung unterstützt Nährstoffkreisläufe.

 

Raumwirkung

 

Nutzung wird räumlich verteilt.

 

Insgesamt wirken Mustangs auf:

 

* Wasser

* Pflanzen

* Nährstoffe

* Biodiversität



Negative Effekte

 

Möglich sind:

 

* lokale Trittschäden an Wasserstellen - Vegetationsreduktion von etwa 10–30 %

 

Im Vergleich zu Vieh ist der Einfluss der Mustangs stärker bewegungsgeprägt, während Vieh durch Dichte und lange Aufenthaltsdauer wirkt.

 

 

12. Sage Grouse

 

Die Hauptursachen für Bestandsrückgänge des Greater Sage-Grouse sind:

 

* Habitatverlust

* Feuer

* Infrastruktur

 

Der Einfluss von Mustangs wird als untergeordnet beschrieben.


Prädation und Mortalität

 

Prädation durch Puma:

 

* etwa 10–15 Fohlen pro Jahr

* etwa 5 davon werden gerissen

 

Fohlenüberleben bis 1 Jahr:

 

* etwa 50–70 %

 

Adulte Mortalität:

 

* meist 5–10 % jährlich

 


Populationswachstum

 

Populationsstudien zeigen:

 

* Wachstumsrate etwa 15–20 % pro Jahr

Zu berücksichtigen ist, dass diese Zahlen entstanden sind,
während zeitgleich Entnahmen erfolgt sind!
Man hat also in diesen Zahlen schon eine kompensatorische Reproduktionsrate!

 

Wichtig:

 

Diese Zahl ist kein fixer Dauerwert.

 

Ohne Entnahmen sinkt die Reproduktionsrate mit steigender Dichte.

 


Reale Entwicklung ohne Entnahmen

 

Ein realistischeres 20-Jahres-Modell mit:

 

* dichteabhängig sinkender Reproduktion

* Fohlensterblichkeit

* Sterblichkeit alter Pferde

* Dürrejahren

 

zeigt:

 

nicht

 

60.000  über 99.000+

 

sondern eher:

 

60.000  etwa 85.981 Tiere nach 20 Jahren

 

Dürrejahre in Jahr 5, 11 und 17 bremsen die Population deutlich.

 

Das zeigt:

 

Ohne Entnahmen bleibt die Reproduktion nicht dauerhaft künstlich hoch.


Entnahmen und kompensatorische Vermehrung

  

BLM-Daten zeigen:

 

* jährliche Entnahmen: 10.000–20.000 Tiere

* Gesamtbestand bleibt dennoch meist zwischen 70.000 und 85.000 stabil

 

Ableitung:

 

* jährliche Vermehrung liegt bei etwa 13–27 %

* Mittelwert etwa 20–25 %

 

Es entsteht eine kompensatorische Vermehrung durch regelmäßige Entnahmen. 

Wildpferdeschutzorganisationen berichten, dass bei regelmäßigen Entnahmen häufiger jüngere und ältere Stuten gedeckt werden.

 

Der Entnahmeeffekt wird biologisch wieder ausgeglichen.


Genpool

 

Für stabile genetische Strukturen werden etwa:

 

* 200 Tiere pro Herde

 

benötigt.

 

Entnahmen führen zu:

 

* kleineren Herden

* weniger Zuchttieren

* höherem Inzuchtrisiko

* genetischem Verlust

 

 


Managementstrategien

  

Entnahmen

 

* reduzieren kurzfristig den Bestand

* verursachen Stress

* verursachen hohe dauerhafte Kosten

* erhöhen genetische Risiken

* werden durch kompensatorische Vermehrung ausgeglichen



 

 Geburtenkontrolle

 

* greift direkt an der Ursache des Wachstums an

* reduziert Geburten statt Tiere zu entfernen

* vermeidet viele genetische Nachteile

 

Kombination mit natürlicher Mortalität

 

Besonders wirksam:

 

* Geburtenkontrolle

* natürliche Fohlenverluste

* Dürreeffekte

* bessere Wasserverteilung

 

Diese Kombination stabilisiert Populationen
deutlich effizienter.



Kostenvergleich - Entnahme vs. Geburtenkontrolle

 

Szenario 1 – Entnahmen

 

Annahmen:

 

* 20 % Wachstum

* danach 15 % Entnahme pro Jahr

 

Kumulierte Entnahmen:

 

* 56.204 Tiere nach 5 Jahren

* 118.257 Tiere nach 10 Jahren

* 262.412 Tiere nach 20 Jahren

 

Kosten

 

Nur Gather/Removal:

 

* 5 Jahre: 17,29 Mio. USD

* 10 Jahre: 36,38 Mio. USD

* 20 Jahre: 80,72 Mio. USD

 

Mit nur 1 Jahr Holding je entferntem Tier:

 

* 5 Jahre: 121,95 Mio. USD

* 10 Jahre: 256,58 Mio. USD

* 20 Jahre: 569,36 Mio. USD

 

Wichtig:

 

Dies ist konservativ, da viele Tiere deutlich länger off-range gehalten werden.

 

 

Szenario 2 – Geburtenkontrolle

 

Annahmen:

 

* 50 % zugängliche Herden

* dort 50 % der Stuten behandelt

* durchschnittlich 9.375 behandelte Stuten pro Jahr

 

Praxisnahes Modell:

 

* 1 Primer + danach Booster


Kosten

 

* 5 Jahre: 5,16 Mio. USD

* 10 Jahre: 6,56 Mio. USD

* 20 Jahre: 9,38 Mio. USD

 

 



Direkter Vergleich

 

Zeitraum | Entnahmen + 1 Jahr Holding | Geburtenkontrolle |


5 Jahre  |            121,95 Mio. USD |     5,16 Mio. USD |

10 Jahre |            256,58 Mio. USD |     6,56 Mio. USD |

20 Jahre |            569,36 Mio. USD |     9,38 Mio. USD |

 

Geburtenkontrolle ist damit deutlich günstiger als Entnahmen.

 

Der größte Kostentreiber bei Entnahmen ist die Off-Range-Haltung.

 

 

 



Finale Gesamtaussage

 

Das Great Basin ist ein durch Wasserverfügbarkeit und Dürre gesteuertes System.

 

Vieh stellt durch:

 

* seine Anzahl

* seinen Wasserverbrauch

* seine geringe Beweglichkeit

 

den dominanten Einflussfaktor dar.

 

Mustangs:

 

* bewegen sich großräumig

* verteilen ihre Nutzung

* erfüllen ökologische Funktionen

* erzeugen deutlich weniger lokale Konzentrationsschäden als Vieh

 

Dürre, Fohlensterblichkeit, Alterssterblichkeit und natürliche dichteabhängige Prozesse bremsen Populationen bereits deutlich.

 

Regelmäßige Entnahmen führen zu kompensatorischer Vermehrung, die ihren eigenen Effekt wieder abschwächet.

 

Zusätzlich verursachen sie:

 

* hohe Kosten

* Stress

* genetische Risiken

 

Geburtenkontrolle wirkt direkt an der Ursache des Wachstums, ist langfristig deutlich günstiger und kann in Kombination mit natürlicher Mortalität und besserer Wasserverteilung Populationen stabilisieren.

 

Die Kombination aus:

 

* Geburtenkontrolle

* natürlicher Mortalität

* besserer Wasserverteilung

* genetischer Stabilität

 

stellt das langfristig sinnvollste Managementmodell dar.

 

 


Rewilding Maßnahmen als Lösungsansatz

 

Eine weitere mögliche langfristige Lösung für die über 60.000 Mustangs in den staatlichen Holdingeinrichtungen sind sogenannte Rewilding- und Refuge-Projekte.

 

Dabei geht es nicht darum, ehemalige Wildpferde dauerhaft in kleinen Pferchen oder klassischen Auffangstationen unterzubringen, sondern ihnen wieder möglichst naturnahe Lebensräume, Sozialstrukturen und großflächige Bewegungsräume zurückzugeben.

 

Zwei bekannte Beispiele hierfür sind:

 

Rewild America Now

The Wild Horse Refuge in Craig, Colorado

 

Beide Projekte verfolgen die Idee, ehemalige Holding-Mustangs wieder in größeren Herden und auf weitläufigen Flächen leben zu lassen — mit deutlich mehr natürlicher Bewegung, Sozialkontakt und Eigenverhalten als in klassischen Holding Facilities.

 

Gerade The Wild Horse Refuge zeigt, dass selbst ehemals eingefangene Mustangs durchaus wieder relativ naturnah und großflächig gehalten werden können.

Die Tiere leben dort in stabilen Herdenverbänden auf tausenden Acres Land und erhalten deutlich mehr Raum für natürliches Verhalten.

 

Solche Projekte könnten mehrere Vorteile miteinander verbinden:

 

Entlastung der staatlichen Holdingeinrichtungen

geringerer Dauerstress für die Pferde

mehr natürliche Bewegung

Erhalt sozialer Herdenstrukturen

geringere langfristige Kosten als jahrzehntelange Holdinghaltung

Möglichkeit ökologischer Rewilding-Projekte

höhere Lebensqualität für ehemalige Wildpferde

 

Großflächige Refuge- und Rewilding-Projekte können langfristig
ein wichtiger Bestandteil nachhaltigerer Lösungen
für die Zukunft der amerikanischen Mustangs werden.

 


Quellenangaben:

 

Mustangs, Wasser, Vieh & Ökosysteme im Great Basin

 

Studiengrundlage (geordnet und strukturiert)

 

Hydrologie / Great Basin System

 

* U.S. Geological Survey (USGS)

* Desert Research Institute

* Flint et al. (2013)

 

Dürre / Klima

 

* Cook et al. (2015)

* Williams et al. (2020)

* NOAA

 

Vegetation / Dürrefolgen

 

* Chambers et al. (2014)

* BLM Monitoring Reports

 

Bewegung / Nutzungsmuster

 

* Berger (1986)

* Kirkpatrick

* Ganskopp & Vavra (1987)

* Holechek et al. (2004)

 

Population / Populationsdynamik

 

* Garrott & Taylor (1990)

* National Academy of Sciences (2013)

* BLM Wild Horse & Burro Program

 

Ressourcenverbrauch

 

* NRC (2007)

* Holechek et al. (2004)

 

Raumwirkung / Vieheinfluss

 

* Fleischner (1994)

* Belsky et al. (1999)

 

Positive Effekte Mustangs

 

* Lundgren et al. (2021)

* The Wild Horse Refuge

* Skydog Sanctuary

 

Negative Effekte

 

* Beever & Brussard (2000)

* Beever et al. (2003)

 

Sage Grouse

 

* Knick et al. (2013)

* US Fish & Wildlife Service

 

Prädation

 

* Turner & Morrison (2001)

 

Genetik / Genpool

 

* Cothran (2004)

* BLM Genetic Management Guidelines

 

Management / Geburtenkontrolle

 

* National Academy of Sciences (2013)

* Kirkpatrick

* Bartholow (2007)

* USGS PopEquus Cost Tool